
Manchmal habe ich Lesekrisen, ich weiß nicht, was ich neues lesen soll, die alten Autoren sind schon alle ausgereizt. Oft greife ich dann zu Krimis von Agatha Chritsie oder einen anderem Schmöker und oft machen diese Bücher auch Spaß - besonders weil sie nichts anderes erzählen als ihre Geschichte. Die Handlung steht im Vordergrund und eine zweite oder gar dritte Ebene ist gewollt nicht angelegt. Das ist für eine Zeit sehr entspannend. Doch mit der Zeit wird auch das langweilig und die Lesekrise ist wieder da. Es kommt die Zeit der angefangenen und nur bis Seite 40 gelesenen Bücher. Lange stehe ich dann vor dem Bücherregal und krame alte Schinken heraus. Aber wie oft liest man ein Buch zwei Mal?
Anfang des Jahres war es wieder so weit. Ziellos schmökerte ich mich durch zahlreiche Krimis und hatte es bald wieder satt. Dann stieß ich auf ein Buch, dass mir zu Weihnachten geschenkt wurde. Es war "The Fountainhead" von der mir bis dato unbekannten Autorin Ayn Rand. Mittlerweile lese ich das zweite Buch von ihr: "Atlas Schrugged". Es kommt selten vor, dass mich ein Buch so sehr berührt, The Fountainhead hat mich schier umgekrempelt.
Worum geht es?
The Fountainhead erzählt den Weg eines jungen Architekten Howard Roark, der in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit seinen modernen Bauten einen Freiheitskampf gegen die traditionelle Architektur mit klassizischtischen Merkmalen führt. Dabei macht er keinerlei kompromisse und jede Verfälschung seiner Zeichnungen lehnt er kategorisch ab. Oft wird er abgelehnt doch er bevorzugt ein Leben am Existenzminimum als sich den rigiden Vorstellungen der Architektuszene zu beugen. Dieser unbeugsame Wille, sich selbst und seinem Werk treu zu bleiben und sich nicht korumpieren zu lassen ist es denn auch, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Viele Antagonisten, die eloquent und fein zisseliert versuchen, Howard Roark zu Fall zu bringen, scheitern an der Reinheit ihres Feindes.
Dieses Buch hat nicht eine oder zwei Ebenen, es ist meines Erachtens ein philosophischer Roman, der ganz im Sinne der Romantik eine Theorie der Reinheit und Klarheit in der Person des Protagonisten festmacht. Und diese Theorie ist es, die eine fast bebende Stärke zu seinem Leser aufbaut. Denn nicht selten musste ich zugeben, dass ich Charaktereigenschaften der Antagonisten deswegen so gut nachvollziehen konnte, weil ich sie von mir kenne. Und komischerweise favorisierte ich zu 100% Howard Roark. In diese Lücke sticht Rand gekonnt und bohrt darin herum, mit all der Intelligenz der Figuren.
Anders als bei Genie-Geschichten wie bei Good Will Hunting oder Forrester Gefunden (beides Filme von Gus van Sant), in denen die Genies lange mit ihrem Genie hadern, scheitert Roark nie an seinem Genie, sondern seine Antagonisten. Der Witz ist aber, dass nicht das Genie ihnen zu schaffen macht sondern der Fakt, dass Roark unkorrumpierbar ist, was so weit geht, dass er sogar Gesetze nicht akzeptiert, die ihm Kompromisse auferlegen.
Das ganze Buch ist eine 1A erzählte, fesselnde Geschichte, die rein aus einem philosophischen Gedanken heraus angetrieben ist: Jeder Mensch ist sein eigenes Objekt und kann nicht die Gedanken anderer denken, die Gefühle anderer fühlen oder das selbe essen wie andere. Jeder Mensch hat nur einen Magen.
Spannend!
Hier eine Playlist eines Interviews mit Ayn Rand
Viel Spaß
Basil
1 Kommentar:
du hast es auf den punkt genau getroffen. ich bin gerade dabei, atlas shrugged zu lesen und finde es immer noch sehr spannend.
auch zu empfehlen ist: "the virtue of selfishness" von ayn rand.
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