Um mal von der ganzen intellektuellen Scheiße runter zu kommen (wer's nicht bemerkt hat im Post zuvor: neun journalisten haben jeweils zwei Angehörige, macht 18 Personen...äh na ja, bei Textaufgaben Mumps gehabt) mal was über ein altes Video neu entdeckt. Der sehr unmetaphorische Titel der Gruppe "Sick of it all" sagt ja schon, was Sache ist: kein Firlefanz. So, fragt sich der begeisterte Leser, Wo ist denn Firlefanz? Wikipedia sei Dank hier die Lösung: Das Wort stammt von dem mittelhochdeutschen virlefanz (von virelai, „ein Tanz“) und bedeutet Tand, wertloser (modischer) Kram, aber auch Albernheit, Torheit, Kinderei. Firlefanz steht als Synonym für bedeutungslose, unerhebliche Information und überflüssige Ausschmückung."
Überflüssige Ausschmückung - aha. Wenn eine Frau (und Frauen tendieren dazu sehr gerne) zum Beispiel sauer auf einen ist wegen Grund A und man lange Diskussionen um Grund A führt, man aber dann ernüchternd feststellen muss, dass alles Gestreite auf Grund B basiert, der aber nicht ausgesprochen wird, dann ist Diskussion A Firlefanz! Oder Casting-Shows - mein bevorzugtes Hass-TV-Genre. Gaaanz viele sehr untalentierte mehr minder als gut aussehende Durchschnittsmetzgerazubis kämpfen in unzähligen Folgen darum, Ziel X zu erreichen (Model, Schauspieler, Star im Allgemeinen, Sänger, Normaljobs, lange in einem Haus zu sein). X ist also "Typ hat Ziel erreicht und ist jetzt Model, Schauspieler, Star im Allgemeinen". Entweder ist er es oder eben nicht. Aber das ganze drum rum ist Firlefanz, "wertloser modischer Kram", "unerhebliche Ausschmückung". Oder: In einem Song erzählen viele in sehr vielen Metaphern von was anderem, das sie aber nicht sagen wollen, weil es sonst so banal klingt. Ehrlich: Firlefanz!
Und dann ist da "Sick of it all". Sowohl musikalisch als auch textlich total schnörkellos, absolut abgespeckt, reduziert auf eines: die Message des Songs. Das was der Text sagt, sagt der Text und nichts anderes. Was die Musik darstellt, ist rein der Rhythmus und nichts anderes. Komplett ohne Firlefanz.
Gott ist das erfrischend in einer Zeit, in der man mit Firlefanz aufwacht, in der Arbeit von Firlefanz umgeben ist und selbst noch dazu angehalten wird, Firlefanz zu produzieren, abends Firlefanz im Fernsehen ansieht. Wenn ich jetzt sage, das ist wie "ein Sommerregen nach unglaublicher Schwüle" wäre das - man kann es sich denken.
Hier also total befreit: Let's take the night off. Lyrics stehen unter dem Video.
Rock'n'Roll
Basil
brutal - the big picture is so cruel to us
and everyone's life is such a tiny speck
the worst atrocities can pass. fifty miles away to no effect
power. power
has always been abused
work. debt. poverty. taxes
life's oppressive rules
power. power
just might never change
no answers will come from our bloodthirsty ways
let's take the night off from mental stress
let's take the night off - this world's a mess
captive - held captive by our hopes and dreams
our best intentions can destroy us
we shouldn't grind ourselves away
take a break. we need to maintain
commiserating has run it's course
we'll save the world tomorrow
we'll have to wait until that day
we'll wait. we'll wait
but in the meantime
let's celebrate that we don't give a fuck
let's celebrate that we don't care
let's celebrate that we don't give a fuck
with the middle finger high in the air
let's celebrate that we don't give a fuck
take the night off. pass the buck
Dienstag, 21. Juli 2009
Langweiliger Nobelpreisträger
Er ist ein Garant für gute Literatur: Gabriel García Márquez! "Hundert Jahre Einsamkeit" lässt sich verschlingen wie ein Dan Brown für Erwachsene (das musste ich gleich zwei Mal lesen und das kommt selten vor!), "Erinnerung an meine traurigen Huren" ist ein Buch wie ein altes Schmuckstück, man kann immer wieder darauf zurück greifen und es wird nicht langweilig. Mit diesem Ur-Vertrauen kaufte ich mir also für den Urlaub "Nachricht von einer Entführung" und sogar die Frankfurter Zeitung (und da hätte ich eigentlich schon stutzig werden müssen) wird auf dem Klappentext mit folgendem Quote angeführt: "Nachricht von einer Entführung zeigt Gariel García Márquez auf der Höhe seines Könnens." Wenn man also nach Kuba in den Urlaub fährt, so auf den ersten Blick ein perfektes Buch.

Falsch.
Die Story: Es wird von neun verschiedenen Entführungen von Journalisten in Columbien erzählt, die sich über sechs Monate erstreckten. Grund dafür ist die Oppression des Staates seitens Drogenkartellen, maßgeblich geführt von Pablo Escobar. So weit so gut, hört sich spannend an. Diese neun Journalisten haben auch Angehörige. Wenn jeder Journalist mindestens zwei Angehörige hat, macht das schon mal 18 Personen. Hinzu kommen der Präsident, Kinder, Enkel, der Ex-Präsident, Minister, Polizeichefs, Drogenkartellangehörige, eine siebenköpfige Familie, die eingesperrt ist, und so weiter und so fort. Wir sind also sicher bei mindestens 40, gefühlten 280 Figuren, die alle Vor- und Nachnamen haben. Gut, kennt man schon von Dostojewskij und irgendwie sollte man das überleben. Nur geht man bei Dostojewskij nicht unter 1000 Seiten nach Hause und hinten ist meist noch ein netter Stammbaum drin, wo man sich orientieren kann. Nicht so bei der "Nachricht". Hier qurilen diese gefühlten 280 Figuren auf 340 Seiten durch das Wirrwarr columbianischer Politik.
Das Ganze ist dann auch noch eher im Berichtsstil geschrieben, da es sich um eine wahre Begebenheit handelt. Aber ehrlich, so tief will man im Urlaub nicht in die Mühlen korumpierter politik einsteigen.
Statt also einen hochwertigen Schmöker zu haben, beißt man sich durch dieses Spinnennetz an Handlungssträngen und der einzige Punkt, warum das einen in irgend einer Art berühren könnte, ist die wahre Begenheit. Die muss man sich aber immer wieder vorbeten, um an der Stange zu bleiben.
Auch bei Hundert Jahre Einsameit waren viele Figuren enthalten und wirre Geschichten. Hier aber mit Esprit und so überzogen geschrieben, dass es einfach köstlich ist. Entführung tut nur weh und vielleicht war das auch die Intention von Marquez. Zuzutrauen wäre es ihm. Man kommt sich ähnlich vor wie die Gefangenenen.
Also in allem vielleicht ein gutes Buch für Lietraturstudenten - definitiv nichts für Urlauber.
Wer's trotzdem lesen will: Viel Glück!
In diesem Sinne
Basil

Falsch.
Die Story: Es wird von neun verschiedenen Entführungen von Journalisten in Columbien erzählt, die sich über sechs Monate erstreckten. Grund dafür ist die Oppression des Staates seitens Drogenkartellen, maßgeblich geführt von Pablo Escobar. So weit so gut, hört sich spannend an. Diese neun Journalisten haben auch Angehörige. Wenn jeder Journalist mindestens zwei Angehörige hat, macht das schon mal 18 Personen. Hinzu kommen der Präsident, Kinder, Enkel, der Ex-Präsident, Minister, Polizeichefs, Drogenkartellangehörige, eine siebenköpfige Familie, die eingesperrt ist, und so weiter und so fort. Wir sind also sicher bei mindestens 40, gefühlten 280 Figuren, die alle Vor- und Nachnamen haben. Gut, kennt man schon von Dostojewskij und irgendwie sollte man das überleben. Nur geht man bei Dostojewskij nicht unter 1000 Seiten nach Hause und hinten ist meist noch ein netter Stammbaum drin, wo man sich orientieren kann. Nicht so bei der "Nachricht". Hier qurilen diese gefühlten 280 Figuren auf 340 Seiten durch das Wirrwarr columbianischer Politik.
Das Ganze ist dann auch noch eher im Berichtsstil geschrieben, da es sich um eine wahre Begebenheit handelt. Aber ehrlich, so tief will man im Urlaub nicht in die Mühlen korumpierter politik einsteigen.
Statt also einen hochwertigen Schmöker zu haben, beißt man sich durch dieses Spinnennetz an Handlungssträngen und der einzige Punkt, warum das einen in irgend einer Art berühren könnte, ist die wahre Begenheit. Die muss man sich aber immer wieder vorbeten, um an der Stange zu bleiben.
Auch bei Hundert Jahre Einsameit waren viele Figuren enthalten und wirre Geschichten. Hier aber mit Esprit und so überzogen geschrieben, dass es einfach köstlich ist. Entführung tut nur weh und vielleicht war das auch die Intention von Marquez. Zuzutrauen wäre es ihm. Man kommt sich ähnlich vor wie die Gefangenenen.
Also in allem vielleicht ein gutes Buch für Lietraturstudenten - definitiv nichts für Urlauber.
Wer's trotzdem lesen will: Viel Glück!
In diesem Sinne
Basil
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