Austausch bewegter Bilder

"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität." (Alfred Hitchcock)

Dienstag, 21. Juli 2009

Langweiliger Nobelpreisträger

Er ist ein Garant für gute Literatur: Gabriel García Márquez! "Hundert Jahre Einsamkeit" lässt sich verschlingen wie ein Dan Brown für Erwachsene (das musste ich gleich zwei Mal lesen und das kommt selten vor!), "Erinnerung an meine traurigen Huren" ist ein Buch wie ein altes Schmuckstück, man kann immer wieder darauf zurück greifen und es wird nicht langweilig. Mit diesem Ur-Vertrauen kaufte ich mir also für den Urlaub "Nachricht von einer Entführung" und sogar die Frankfurter Zeitung (und da hätte ich eigentlich schon stutzig werden müssen) wird auf dem Klappentext mit folgendem Quote angeführt: "Nachricht von einer Entführung zeigt Gariel García Márquez auf der Höhe seines Könnens." Wenn man also nach Kuba in den Urlaub fährt, so auf den ersten Blick ein perfektes Buch.




Falsch.

Die Story: Es wird von neun verschiedenen Entführungen von Journalisten in Columbien erzählt, die sich über sechs Monate erstreckten. Grund dafür ist die Oppression des Staates seitens Drogenkartellen, maßgeblich geführt von Pablo Escobar. So weit so gut, hört sich spannend an. Diese neun Journalisten haben auch Angehörige. Wenn jeder Journalist mindestens zwei Angehörige hat, macht das schon mal 18 Personen. Hinzu kommen der Präsident, Kinder, Enkel, der Ex-Präsident, Minister, Polizeichefs, Drogenkartellangehörige, eine siebenköpfige Familie, die eingesperrt ist, und so weiter und so fort. Wir sind also sicher bei mindestens 40, gefühlten 280 Figuren, die alle Vor- und Nachnamen haben. Gut, kennt man schon von Dostojewskij und irgendwie sollte man das überleben. Nur geht man bei Dostojewskij nicht unter 1000 Seiten nach Hause und hinten ist meist noch ein netter Stammbaum drin, wo man sich orientieren kann. Nicht so bei der "Nachricht". Hier qurilen diese gefühlten 280 Figuren auf 340 Seiten durch das Wirrwarr columbianischer Politik.
Das Ganze ist dann auch noch eher im Berichtsstil geschrieben, da es sich um eine wahre Begebenheit handelt. Aber ehrlich, so tief will man im Urlaub nicht in die Mühlen korumpierter politik einsteigen.
Statt also einen hochwertigen Schmöker zu haben, beißt man sich durch dieses Spinnennetz an Handlungssträngen und der einzige Punkt, warum das einen in irgend einer Art berühren könnte, ist die wahre Begenheit. Die muss man sich aber immer wieder vorbeten, um an der Stange zu bleiben.
Auch bei Hundert Jahre Einsameit waren viele Figuren enthalten und wirre Geschichten. Hier aber mit Esprit und so überzogen geschrieben, dass es einfach köstlich ist. Entführung tut nur weh und vielleicht war das auch die Intention von Marquez. Zuzutrauen wäre es ihm. Man kommt sich ähnlich vor wie die Gefangenenen.
Also in allem vielleicht ein gutes Buch für Lietraturstudenten - definitiv nichts für Urlauber.

Wer's trotzdem lesen will: Viel Glück!

In diesem Sinne

Basil

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Basil

München, Bayern, Germany