Austausch bewegter Bilder

"Ein Blick in die Welt beweist, dass Horror nichts anderes ist als Realität." (Alfred Hitchcock)

Dienstag, 21. Juli 2009

Tacheles

Um mal von der ganzen intellektuellen Scheiße runter zu kommen (wer's nicht bemerkt hat im Post zuvor: neun journalisten haben jeweils zwei Angehörige, macht 18 Personen...äh na ja, bei Textaufgaben Mumps gehabt) mal was über ein altes Video neu entdeckt. Der sehr unmetaphorische Titel der Gruppe "Sick of it all" sagt ja schon, was Sache ist: kein Firlefanz. So, fragt sich der begeisterte Leser, Wo ist denn Firlefanz? Wikipedia sei Dank hier die Lösung: Das Wort stammt von dem mittelhochdeutschen virlefanz (von virelai, „ein Tanz“) und bedeutet Tand, wertloser (modischer) Kram, aber auch Albernheit, Torheit, Kinderei. Firlefanz steht als Synonym für bedeutungslose, unerhebliche Information und überflüssige Ausschmückung."

Überflüssige Ausschmückung - aha. Wenn eine Frau (und Frauen tendieren dazu sehr gerne) zum Beispiel sauer auf einen ist wegen Grund A und man lange Diskussionen um Grund A führt, man aber dann ernüchternd feststellen muss, dass alles Gestreite auf Grund B basiert, der aber nicht ausgesprochen wird, dann ist Diskussion A Firlefanz! Oder Casting-Shows - mein bevorzugtes Hass-TV-Genre. Gaaanz viele sehr untalentierte mehr minder als gut aussehende Durchschnittsmetzgerazubis kämpfen in unzähligen Folgen darum, Ziel X zu erreichen (Model, Schauspieler, Star im Allgemeinen, Sänger, Normaljobs, lange in einem Haus zu sein). X ist also "Typ hat Ziel erreicht und ist jetzt Model, Schauspieler, Star im Allgemeinen". Entweder ist er es oder eben nicht. Aber das ganze drum rum ist Firlefanz, "wertloser modischer Kram", "unerhebliche Ausschmückung". Oder: In einem Song erzählen viele in sehr vielen Metaphern von was anderem, das sie aber nicht sagen wollen, weil es sonst so banal klingt. Ehrlich: Firlefanz!

Und dann ist da "Sick of it all". Sowohl musikalisch als auch textlich total schnörkellos, absolut abgespeckt, reduziert auf eines: die Message des Songs. Das was der Text sagt, sagt der Text und nichts anderes. Was die Musik darstellt, ist rein der Rhythmus und nichts anderes. Komplett ohne Firlefanz.

Gott ist das erfrischend in einer Zeit, in der man mit Firlefanz aufwacht, in der Arbeit von Firlefanz umgeben ist und selbst noch dazu angehalten wird, Firlefanz zu produzieren, abends Firlefanz im Fernsehen ansieht. Wenn ich jetzt sage, das ist wie "ein Sommerregen nach unglaublicher Schwüle" wäre das - man kann es sich denken.

Hier also total befreit: Let's take the night off. Lyrics stehen unter dem Video.

Rock'n'Roll

Basil



brutal - the big picture is so cruel to us
and everyone's life is such a tiny speck
the worst atrocities can pass. fifty miles away to no effect

power. power
has always been abused
work. debt. poverty. taxes
life's oppressive rules
power. power
just might never change
no answers will come from our bloodthirsty ways

let's take the night off from mental stress
let's take the night off - this world's a mess

captive - held captive by our hopes and dreams
our best intentions can destroy us
we shouldn't grind ourselves away
take a break. we need to maintain

commiserating has run it's course
we'll save the world tomorrow
we'll have to wait until that day
we'll wait. we'll wait
but in the meantime
let's celebrate that we don't give a fuck
let's celebrate that we don't care
let's celebrate that we don't give a fuck
with the middle finger high in the air
let's celebrate that we don't give a fuck
take the night off. pass the buck

Langweiliger Nobelpreisträger

Er ist ein Garant für gute Literatur: Gabriel García Márquez! "Hundert Jahre Einsamkeit" lässt sich verschlingen wie ein Dan Brown für Erwachsene (das musste ich gleich zwei Mal lesen und das kommt selten vor!), "Erinnerung an meine traurigen Huren" ist ein Buch wie ein altes Schmuckstück, man kann immer wieder darauf zurück greifen und es wird nicht langweilig. Mit diesem Ur-Vertrauen kaufte ich mir also für den Urlaub "Nachricht von einer Entführung" und sogar die Frankfurter Zeitung (und da hätte ich eigentlich schon stutzig werden müssen) wird auf dem Klappentext mit folgendem Quote angeführt: "Nachricht von einer Entführung zeigt Gariel García Márquez auf der Höhe seines Könnens." Wenn man also nach Kuba in den Urlaub fährt, so auf den ersten Blick ein perfektes Buch.




Falsch.

Die Story: Es wird von neun verschiedenen Entführungen von Journalisten in Columbien erzählt, die sich über sechs Monate erstreckten. Grund dafür ist die Oppression des Staates seitens Drogenkartellen, maßgeblich geführt von Pablo Escobar. So weit so gut, hört sich spannend an. Diese neun Journalisten haben auch Angehörige. Wenn jeder Journalist mindestens zwei Angehörige hat, macht das schon mal 18 Personen. Hinzu kommen der Präsident, Kinder, Enkel, der Ex-Präsident, Minister, Polizeichefs, Drogenkartellangehörige, eine siebenköpfige Familie, die eingesperrt ist, und so weiter und so fort. Wir sind also sicher bei mindestens 40, gefühlten 280 Figuren, die alle Vor- und Nachnamen haben. Gut, kennt man schon von Dostojewskij und irgendwie sollte man das überleben. Nur geht man bei Dostojewskij nicht unter 1000 Seiten nach Hause und hinten ist meist noch ein netter Stammbaum drin, wo man sich orientieren kann. Nicht so bei der "Nachricht". Hier qurilen diese gefühlten 280 Figuren auf 340 Seiten durch das Wirrwarr columbianischer Politik.
Das Ganze ist dann auch noch eher im Berichtsstil geschrieben, da es sich um eine wahre Begebenheit handelt. Aber ehrlich, so tief will man im Urlaub nicht in die Mühlen korumpierter politik einsteigen.
Statt also einen hochwertigen Schmöker zu haben, beißt man sich durch dieses Spinnennetz an Handlungssträngen und der einzige Punkt, warum das einen in irgend einer Art berühren könnte, ist die wahre Begenheit. Die muss man sich aber immer wieder vorbeten, um an der Stange zu bleiben.
Auch bei Hundert Jahre Einsameit waren viele Figuren enthalten und wirre Geschichten. Hier aber mit Esprit und so überzogen geschrieben, dass es einfach köstlich ist. Entführung tut nur weh und vielleicht war das auch die Intention von Marquez. Zuzutrauen wäre es ihm. Man kommt sich ähnlich vor wie die Gefangenenen.
Also in allem vielleicht ein gutes Buch für Lietraturstudenten - definitiv nichts für Urlauber.

Wer's trotzdem lesen will: Viel Glück!

In diesem Sinne

Basil

Dienstag, 28. Oktober 2008

Getümmel in der U-Bahn


Jeder kennt es: Man steht in der U-Bahn von tausenden Menschen umgeben. Oft nerven die anderen, manchmal ist man amüsiert. Doch wer kann sich nur 20 Sekunden später an eine einzige Person erinnern? Die U-Bahn ist wie ein Radiergummi des Gedächtnisses - weil zu viel Informationen auf einen einprallen.

Hier zum Thema U-Bahn mal einige Menschen, die mir im Februar 2008 über den Weg "gefahren" sind.




Viel Spaß

Der Basil

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Wir haben nur einen Magen



Manchmal habe ich Lesekrisen, ich weiß nicht, was ich neues lesen soll, die alten Autoren sind schon alle ausgereizt. Oft greife ich dann zu Krimis von Agatha Chritsie oder einen anderem Schmöker und oft machen diese Bücher auch Spaß - besonders weil sie nichts anderes erzählen als ihre Geschichte. Die Handlung steht im Vordergrund und eine zweite oder gar dritte Ebene ist gewollt nicht angelegt. Das ist für eine Zeit sehr entspannend. Doch mit der Zeit wird auch das langweilig und die Lesekrise ist wieder da. Es kommt die Zeit der angefangenen und nur bis Seite 40 gelesenen Bücher. Lange stehe ich dann vor dem Bücherregal und krame alte Schinken heraus. Aber wie oft liest man ein Buch zwei Mal?

Anfang des Jahres war es wieder so weit. Ziellos schmökerte ich mich durch zahlreiche Krimis und hatte es bald wieder satt. Dann stieß ich auf ein Buch, dass mir zu Weihnachten geschenkt wurde. Es war "The Fountainhead" von der mir bis dato unbekannten Autorin Ayn Rand. Mittlerweile lese ich das zweite Buch von ihr: "Atlas Schrugged". Es kommt selten vor, dass mich ein Buch so sehr berührt, The Fountainhead hat mich schier umgekrempelt.

Worum geht es?

The Fountainhead erzählt den Weg eines jungen Architekten Howard Roark, der in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts mit seinen modernen Bauten einen Freiheitskampf gegen die traditionelle Architektur mit klassizischtischen Merkmalen führt. Dabei macht er keinerlei kompromisse und jede Verfälschung seiner Zeichnungen lehnt er kategorisch ab. Oft wird er abgelehnt doch er bevorzugt ein Leben am Existenzminimum als sich den rigiden Vorstellungen der Architektuszene zu beugen. Dieser unbeugsame Wille, sich selbst und seinem Werk treu zu bleiben und sich nicht korumpieren zu lassen ist es denn auch, der sich durch die ganze Geschichte zieht. Viele Antagonisten, die eloquent und fein zisseliert versuchen, Howard Roark zu Fall zu bringen, scheitern an der Reinheit ihres Feindes.

Dieses Buch hat nicht eine oder zwei Ebenen, es ist meines Erachtens ein philosophischer Roman, der ganz im Sinne der Romantik eine Theorie der Reinheit und Klarheit in der Person des Protagonisten festmacht. Und diese Theorie ist es, die eine fast bebende Stärke zu seinem Leser aufbaut. Denn nicht selten musste ich zugeben, dass ich Charaktereigenschaften der Antagonisten deswegen so gut nachvollziehen konnte, weil ich sie von mir kenne. Und komischerweise favorisierte ich zu 100% Howard Roark. In diese Lücke sticht Rand gekonnt und bohrt darin herum, mit all der Intelligenz der Figuren.

Anders als bei Genie-Geschichten wie bei Good Will Hunting oder Forrester Gefunden (beides Filme von Gus van Sant), in denen die Genies lange mit ihrem Genie hadern, scheitert Roark nie an seinem Genie, sondern seine Antagonisten. Der Witz ist aber, dass nicht das Genie ihnen zu schaffen macht sondern der Fakt, dass Roark unkorrumpierbar ist, was so weit geht, dass er sogar Gesetze nicht akzeptiert, die ihm Kompromisse auferlegen.

Das ganze Buch ist eine 1A erzählte, fesselnde Geschichte, die rein aus einem philosophischen Gedanken heraus angetrieben ist: Jeder Mensch ist sein eigenes Objekt und kann nicht die Gedanken anderer denken, die Gefühle anderer fühlen oder das selbe essen wie andere. Jeder Mensch hat nur einen Magen.

Spannend!

Hier eine Playlist eines Interviews mit Ayn Rand

Viel Spaß

Basil

Montag, 6. Oktober 2008

Regina Spektor - Fidelity - Menschen

Alle Menschen aus dem Internet auf Regin Spektors "Fidelity".

Sonntag, 5. Oktober 2008

Human Voices

Mike Patton hat sich meines Erachtens nach dem Weggang von Faith no More einem Verschrieben, nämlich sich selbst treu zu bleiben und nur noch Kunst zu produzieren. Das macht er absolut erfolgrecih, wenn man bedenkt, dass er nicht den kleinsten Kompromiss eingeht. Das wird er auch weiterhin machen und das ist gut so! Ich bewundere sein Talent und den Mut, sich der Avantagrde der aktuellen popmusik hinzugeben, sei es mit Mr.Bungle, Fantômas, Tomahawk, Lovage oder seinen zahlreichen eigenen Projekten.

Absolut sehenswert ist dieses Stück: Moonchild während einer Show in Mailand.



Viel Spaß damit!

Der Basil!

Freitag, 6. Juni 2008

Milkshake

This is my son and partner H.W.... Da gibt es nichts mehr hinzuzufügen




Samstag, 31. Mai 2008

Spoonfork



Hier ein Tipp für das nachmittägliche Surfen: Spoonfork Onlinemagazin. Hier gibt es ein komplette Magazin mit quasi Page-Flip, das Themen um Musik, Design und digital Lifestyle behandelt. Wer zu faul zum Lesen ist, kann sich die Artikel sogar vorlesen lassen.

www.spoonfork.de

Und wer es noch nicht kennt, mies drauf ist und eine nette Aufheiterung benötigt, schaut sich noch Mal die singenden Pferde an:

Singende Pferde

Viel Spaß wünscht Euch Basil

Donnerstag, 14. Februar 2008

Cigaretts without Coffee

Vorausgeschickt: Hardcore-Icone Henry Rollins hat eine eigene Show. Schock genug! Man erinnere sich an den Black Flag Song "T.V. Party" mit Texten wie "we got nothing better to do than watch T.V. and drink a couple of brews..." Darauf gekommen bin ich über Paul Thomas Andersons neuen Film "There Will Be Blood". Nach "Boogie Nights" und "Magnolia" wohl ein sehr eingängiger Film. Er wollte einen Film "wie ein ordentliches Steak" machen, wie er sagt. Der Streifen ist gestern bei uns angelaufen. Der Trailer sieht vielversprechend aus!

Und hier das Interview




Ach ja, der Titel daher, weil Anderson das Drehbuch zu "Coffee & Cigarettes" geschrieben hat. Ich dachte auch immer, das wäre Jim Jarmusch gewesen. Aber imdb sagt da was anderes.

Grüße

der Basil

Sonntag, 27. Januar 2008

Batman verspätet sich

Für alle Comicfreunde, auch die, die nicht nur Marvel lesen, sondern auch DC: Wie die "Batman-News" berichten, soll sich laut AICN am Timing für "The Dark Knight" auch durch Heath Ledgers Tod nichts ändern. Der Trailer kam dafür in deutscher Version am 26.01. vollständig raus. In den USA läuft der Buster voraussichtlich am 18.Juli an. Man wird sehen, ob der Nachfolger von Batman Beginns der Vorgabe durch den ersten Teil gerecht werden kann.




Bis dahin lese ich noch mal "The Killing Joke" (der Klassiker schlechthin) von Alan Moore durch, die Christopher Nolan als Vorlage für dessen Film gedient hat. (Vielleicht erbarmt sich eines Tages auch ein Guter Regisseur und nimmt sich "Watchmen" - ebenfalls von Alan Moore - vor.)

Grüße

Basil

Absurdes Wimmeln


Es ist schon viel über "Play Time" von Jaques Tati geschrieben worden. Trotzdem ist der Film es wert, immer wieder besprochen zu werden. Er beschreibt im Jahre 1967 das komplette Ausmaß der modernen Welt in Zeiten der Globalisierung, bebildert in einzigartig kühler Weise das Wimmeln der grauen Großstadt, in der sich der nicht moderne Mensch unsäglich verliert und ist daher aktueller denn je. Der Reiz des Filmes geht aber meines Erachtens nicht nur von einem melancholischen oder technikkritischen Standpunkt aus, sondern bringt den Zuschauer viel mehr zum Lachen. Kein Wunder, ist Tati im Grunde ein Komiker - der Chaplins "Modern Times" von 36 ins Absurde führt.
Alles fängt am Flughafen an und zeigt das internationale Treiben zahlloser Menschen, die in verschiedenen Sprachen unzählbare Sinnlosigkeiten von sich geben. Wäre es ein Kinderfilm, hätte ihn wahrscheinlich Stephan Baumann gezeichnet. Vergeblich wartet der Zuschauer auf die eintretende Handlung - das kalte Bild der Stadt in ihrer postmodernen Architektur und die verwirrten Menschen stehen als Story allein im Raum. Man möchte fast meinen, es ist ein bewegtes fotorealistisches Ölbild, denn der Handlungshorizont verweilt einzig auf der Bildebene. Das "Thema [des Films] ist die Krise des technisierten und mediatisierten Alltags des 20. Jahrhunderts und der modernen Urbanität", schreibt Michael Glasmeier in seinem Buch "'Playtime' – Film interdisziplinär. Ein Film und sieben Perspektiven". Zwar trifft Glasmeier damit den Nagel auf den Kopf - doch vergisst er meines Erachtens, das Komische als maßgebliches Hauptelement mitzudenken. Ein Beispiel: Der Fokus ab der ersten Sequenz, und im Verlauf des ganzen Films, liegt auf zwei Positionen: einer Gruppe amerikanischer Damen, die in einer Art Butterfahrt Paris erkunden, ein Paris ohne Eiffelturm und Romantik, sondern ein Paris, in dem Abfalleimer in Form griechischer Säulen angepriesen und verkauft werden, eine graue Stadt, die nur vom Rauschen des modernen Treibens verschiedener Personen, Automobile und mechanischem Surren erfüllt ist. Und so quaken die Damen den ganzen Film wie ferngesteuerte Hühner durch das Bild, ohne einen sinnvollen Satz zu äußern. Der zweite Fokus liegt auf einem älteren Herren (gespielt von Jaques Tati selbst), der zwar anfangs ein Ziel hat, nämlich in einem labyrinthartigen Bürokomplex einen gewissen Herrn Griffauche zu treffen. Mit jeder Minute verläuft er sich aber mehr, mit jeder Szene merkt man, dass dieser Herr einfach nicht in das stereotype Treiben der Menschen passt und verloren geht. (Allein seine Art zu gehen sticht komplett aus den Bewegungen des restlichen Figurenarsenals heraus). Und so wird dieser Herr alten Schlags hin und her geworfen, kennt sich bald nicht mehr aus und fällt von einer absurden Szene in die andere. Diese beiden Hauptakzente (Gruppe Damen und alter Herr) führen durch den Film über verschiedene Stationen: Flughafen, Bürokomplex, gläsernes Wohnzimmer, Massenrestaurant etc.

Durch das Fehlen von Handlung wird - so meine These - eine neue Handlung aufgemacht: Das Bild des absurden modernen Lebens ist die Handlung. Dass das Leben keinen Sinn hat und die moderne, technisierte Welt das romantische Gefühl, dass das Leben Sinn haben könnte, längst aufgeweicht hat. Diese im Grunde sehr traurige Anschauungsweise wird durch absolut komische Elemente getragen. (Einen schönen Artikel dazu findet Ihr von David Bordwell auf Seiner Filmseite über den "Funny Frame"). Die Romantik ist verloren. Man sieht nur ein einziges Mal den Eiffelturm - in der Spiegelung einer Glastüre des Bürohauses. Eine Dame des amerikanischen "Butterfahrtensembles" öffnet diese Türe und sieht den Eiffelturm mit roten Wolken umgeben wie auf einer Postkarte. In dem Moment, als sie sich umdrehen will und den Eiffelturm real ansehen möchte, wird sie von einer ihrer Mitreisenden in den Verkaufsraum gezogen, wo ihr ein Staubsauger mit Scheinwerfern angedreht wird. Man könnte also sagen, dass das Leben, wie es noch Sinn machte, nur auf einer Art Postkarte existiert, nicht mehr real. Real ist nur noch der Verkehr, das Brummen von Neonröhren, grüne Leuchtreklame und gläserne Wohnzimmer.
Unterstrichen wird die These zudem davon, dass der ältere Herr in dieser Millionenstadt immer wieder auf alte Kriegskumpanen stößt, die ihn dann in ihre moderne Welt hineinziehen. Jedes Mal freut sich der Herr sehr, jemanden zu finden, den er kennt - und verliert diese Person so schnell wieder, wie sie gekommen sind. Es wäre etwas hart, zu behaupten, der Mann, der den Krieg miterlebte, kommt aus einer Welt, in der man noch für Ziele, für ein Ideal gekämpft hat und ist verloren in dieser sinnlosen Welt. Aber in abgeschwächter Form trifft das auf die Existenz des Mannes genau zu. Denn das alleinige Ideal, das in Play Time gezeigt ist, ist die Moderne. Keiner weiß warum, aber jeder findet es gut und normal.
An einigen Stellen musste ich sogar an Hieronymus Bosch denken. Sicher sind dessen Bilder sehr gewaltsam und stellen ein mannigfaltiges Horrorszenario dar. Doch vom Detailgrad und der dargestellten Masse kann man in Play Time sicher Elemente davon sehen.



Es ist kein Popcorn-Film und die Handlung geht ab, aber dieser Film bringt einen jede Minute zum Lachen, wenn man sich auf seine Absurdität einlässt. Ein Muss für jeden Filmfan!
Weitere Artikel: Deutsches Filmmuseum Frankfurt, Filmtipp, Filmzentrale, arte, Work in Progress, Wikipedia.

Viel Spaß,

der Basil

Basil

München, Bayern, Germany